März 2026 „Familiensache“

Manche Bücher sind leise und treffen gerade deshalb mitten ins Herz.

FAMILIENSACHE ist genau so ein Roman.

Claire Lynch erzählt eine bewegende Geschichte überLiebe, gesellschaftliche Zwänge und die Frage, was Familie wirklich bedeutet.

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen:

Anfang der 1980er-Jahre lebt die 23-jährige Dawn in England ein Leben, das den Erwartungen ihrer Zeit entspricht. Sie ist verheiratet, Mutter einer kleinen Tochter, alles scheint geordnet und «richtig». Doch als sie Hazel begegnet, gerät ihre Welt ins Wanken. Plötzlich eröffnet sich ihr eine andere Möglichkeit von Liebe und ein anderes Verständnis von Familie. In einer Gesellschaft, die gleichgeschlechtliche Beziehungen verurteilt und zwei Frauen mit Kind als Bedrohung sieht, wird diese Liebe jedoch zum Risiko.

Jahrzehnte später steht Dawns Tochter Maggie als Erwachsene vor den Rätseln ihrer Familiengeschichte. Als ihr Vater Heron schwer erkrankt, tauchen Fragen auf, die lange im Verborgenen lagen. Zwischen Erinnerungen, Dokumenten und unausgesprochenen Wahrheiten beginnt Maggie zu begreifen, dass ihr Leben auf Entscheidungen beruht, die sie selbst nie treffen konnte.

Claire Lynch verbindet beide Zeitebenen ruhig und poetisch. Ohne dramatische Zuspitzungen, aber mit grosser emotionaler Tiefe zeichnet sie das Bild einer Familie, in der niemand «der Böse» ist. Alle handeln aus Liebe, aus Angst oder aus dem Wunsch nach Zugehörigkeit, und doch haben ihre Entscheidungen weitreichende Folgen.

FAMILIENSACHE ist ein leiser, eindringlicher Roman über Verlust, Schuld und Mut. Ein Buch, das nachhallt und daran erinnert, wie stark gesellschaftliche Normen das private Glück beeinflussen können und wie zerbrechlich das Recht ist, sich selbst zu sein.

Susanne Nissille