Gaea Schoeters
Aktuell stehen in unserer Bibliothek zwei Bücher der flämischen Autorin Gaea Schoeters, die, so verschieden sie auch sind, in einem Atemzug genannt werden können. «Trophäe» (2024) und «Das Geschenk» (2025) setzen sich mit dem Kontinent auseinander, der uns immer noch geheimnisvoll und fremd erscheint, der aber auch immer noch arg fremdbeeinflusst kolonialen Mächten ausgesetzt ist: Afrika.
In «Trophäe» begleiten wir Hunter, einen stinkreichen Geschäftsmann, auf seiner Trophäenjagd nach den Big Five. Das Nashorn fehlt ihm noch, sein Kauf einer Lizenz berechtigt ihn, ohne den geringsten Gewissenbiss, ein Nashorn zu schiessen – und die Leidenschaft seiner Frau, die Jagdtrophäen sammelt, erfüllt ihn mit einer wohligen Vorfreude auf seine Rückkehr. Vertieft recherchiert schreibt Schoeters über die Faszination der Jagd, über die Wechselwirkungen von Jäger und Gejagtem, die Emotionen im Augenblick des Schusses, den Übergang zwischen Leben und Tod. Der Jagd wird durchaus etwas Sinnliches, Philosophisches und Ästhetisches zugeordnet. Die Stimmungslage schlägt damit um, dass der entscheidende Schuss auf das Nashorn gestört wird und dieses entkommen kann. Der Jagdleiter Van Heeren, zuständig für den Jagderfolg seiner Kundschaft und interessiert an seinem eigenen Einkommen, weitet die Big Five in die Big Six aus und bietet Hunter die Jagd auf einen jungen Mann an. So wird plötzlich das Unsagbare Wirklichkeit und das Buch lässt mich verstört fasziniert zurück.
In «Das Geschenk» wechselt der Schauplatz den Kontinent. Der Deutsche Bundestag verabschiedet ein Gesetz, das den Handel mit Elfenbein untersagt und damit eine wichtige Einnahmequelle Botswanas kappt. Als Reaktion «schenkt» der Präsident Botswanas Deutschland 20’000 Elefanten, die sich in und um Berlin breit machen. «Schaut, wie ihr damit klar kommt!», lautet die Botschaft aus Afrika. «Ihr greift mit euren Regeln in unsere Kreisläufe ein, dann sollt ihr auch mal erleben, wenn wir in euren Alltag hineinwirken.»
Hoch unterhaltsam beschreibt Schoeters die gesellschaftlichen und politischen Reaktionen in Deutschland. Der Bundeskanzler muss ein Problem lösen, setzt Expert:innen ein und bangt derweil weit mehr um seine Wiederwahl als dass ihm die Problemfelder Biodiversität, Klimawandel, Umweltschutz oder Kreislaufwirtschaft am Herzen liegen. Die Elefanten leben fidel in Berlin, baden in der Spree und hinterlassen tonnenweise Kot. Daraus entwickelt eine clevere Firma Düngemittel, vergisst aber in ihrem Bestreben nach maximalem Gewinn, den Dung gründlich zu sterilisieren und trägt damit die Samen extrem aktiver Neophyten in die Stadt. Berlin wird grün und grüner und versinkt allmählich im überwuchernden Dschungel.
Der Umgang mit den Elefanten kann durchaus sinnbildlich mit dem Umgang mit Flüchtlingen gesehen werden. «Wir schaffen das!», rufen die einen, «Zurück an den Absender!» vertreten die anderen.
Zwei Bücher setzen sich mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen auseinander. Beide mit fiktivem Inhalt, beide aber mit viel Bezug zu einer Realität, die uns mindestens sehr nachdenklich stimmen muss.
Christoph Rüegg-Gulde

