April 2026 „Pearl – Königin der Meere“

Die Autorin von «Teepalast» und «Teegarten», Elisabeth Herrmann,  taucht in ihrem neuen Buch in die Welt der Piraten ein. Wir befinden uns in der Karibik, die berühmtesten aller Piratinnen, Anne Bonny und Mary Read, werden eingekerkert und warten auf ihren Prozess. Wenig bekannt ist, dass Anne Bonny ein Kind hatte. Um dieses Mädchen spinnt die Autorin eine spannende Geschichte.

Anne Bonny gelingt es, ihre Tochter dem Piraten Oliver Morrison anzuvertrauen. Dieser hat jedoch keine Zeit für ein kleines Mädchen und gibt sie einem Kleinkriminellen weiter. Das Mädchen, das Pearl genannt wird, lernt, wie man sich ein Leben auf der Strasse finanziert: mit Diebstahl und Einbrüchen, Perlentaucherei und Schmuggel. Bei einem Überfall auf einen Kutschenkonvoi erbeutet die Bande um Pearl aber keine Schätze, da sie statt reicher Leute eine Gruppe Schauspieler aus London ausraubt. Aus Wut über den Fehler werden die Begleitsoldaten ermordet, was bedeutet, dass die Kriminellen ab sofort und jederzeit gehängt werden könnten.

Mit einer List rettet Pearl die Schauspielgruppe und darf sich einige Tage bei ihnen verstecken. Die Gruppe soll bei einem Fest des britischen Gouverneurs auftreten. Durch Zufall erfährt Pearl, dass dieser einen Überfall auf spanische Schiffe plant, ihn aber von Oliver Morrison ausführen lassen will, damit offiziell keine Briten beteiligt sind, falls etwas schiefgehen sollte. Auf den zu überfallenden Schiffen befindet sich eine riesige Perle, die ursprünglich Pearls Mutter gehört hatte und den Namen «Bonnys Curse» (Bonnys Fluch) trägt.

Bevor diese waghalsige Aktion starten kann, wird das Haus des Gouverneurs von geflüchteten Sklaven überfallen, die unbedingt Friedensverhandlungen wollen, da sie in der Gesellschaft nicht akzeptiert sind. Dazu entführen sie die Tochter des Gouverneurs, die sich aber als Schauspielerin Florentine entpuppt, weil sie das Kleid der Tochter trägt. Der Vater der Schauspielerin verspricht, Pearl mit nach England zu nehmen, wenn sie die Tochter gesund zurück bringt. Sie gelangt in den Bergen zu den geflüchteten Sklaven, wo sie aber sofort gefangen genommen wird.

Immer wieder im Verlauf der Geschichte wird Pearl als Tochter von Anne Bonny erkannt. Sie erfährt nach und nach, was es mit dem Fluch der Perle auf sich hat und wie ihr Leben mit der Perle verflochten ist.

Elisabeth Herrmann versteht es meisterhaft, das Leben der kleinen Leute zur damaligen Zeit in der Karibik nachzuzeichnen: die ehemaligen Piraten, die sich mehr schlecht als recht durchschlagen können, die geflohenen Sklaven, die vor niemandem sicher sind, die Seeleute, die den Befehlshabern auf den Schiffen ausgeliefert sind, die britischen Auswanderer, die die tropische Hitze mit ihren Kleidern und Perücken schlecht ertragen und trotzdem daran festhalten wollen, die Schauspielergruppe, die vor einem Skandal in London flüchten muss.

Ein unterhaltsamer historischer Roman mit viel Sinn für Gerechtigkeit.

Martina Steiner