OKTOBER 2026 „DIE BERNSTEINFISCHERIN“

Die Geschichte von Ebba und Julika spielt in verschiedenen Zeiten, und in jedem Kapitel springt die Geschichte von einer Frau zur anderen. Das macht den Einstieg ein bisschen mühsam, doch es lohnt sich.

Ebba, zuerst ein Mädchen, passt so gar nicht in ihr Leben. Sie möchte am liebsten Bernsteine fischen, doch wegen des Kriegs müssen sie aus Wogoro fliehen. Ihre Eltern eröffnen eine Pension an der Ostsee und sie muss notgedrungen helfen. Die Arbeit ist ihr verhasst und Zeit für ihre Kunst hat sie auch nicht mehr. Lesend begleitet man sie vom Mädchen zur jungen Frau und bis ins hohe Alter.

Julika dagegen ist eine junge Bernsteinforscherin, die ihre Doktorarbeit fertig schreiben muss. Von ihr erfährt man nicht so viel, sie hadert mit Ereignissen, welche man als Leser:in erst nach und nach entdeckt. Doch dann macht sie den Fund ihres Lebens: ein eingeschlossenes Insekt im Bernstein!

So führen sie ihre Recherchen bis zu Ebba.

Lisa Quentin versteht es, ihren Figuren Tiefe zu verleihen und ihr Ringen im Leben nachvollziehbar aufzuzeigen. Zudem schreibt sie sehr poetisch und lässt die beiden Frauen Weisheiten aussprechen, die mich berührt haben.

Hier zwei Beispiele:

«Immer in meinem Leben gab es Zeiten, in denen ich versucht habe zu leugnen, was ich liebe, was ich bin. Und ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass das schlimmer ist als jedes Scheitern.»

«Da können Sie sich glücklich schätzen. Viele Menschen haben nichts, wofür sie brennen. Ihnen fehlt die innere Antriebskraft, sie handeln nur bei Druck oder Belohnung durch andere. Ich glaube, die grösste Freiheit lebt man, wenn man tut, was man liebt.»

Alessandra Coricciati